Schild mit „Welcome Back“ auf einem Schreibtisch – steht für die Aufgabe des BEM Beauftragten bei der Rückkehr ins Unternehmen

Strategien für gesunde Rückkehrkultur im Unternehmen

Rückkehrgespräche sind keine reine Formsache. Sie entscheiden oft darüber, ob sich Mitarbeitende nach längerer Abwesenheit erneut entfalten – oder innerlich kündigen. Eine gesunde Rückkehrkultur ist daher weit mehr als ein Instrument der Personalabteilung. Sie ist ein strategisches Element im betrieblichen Gesundheitsmanagement und ein Signal an das gesamte Team: Hier wird Fürsorge gelebt. Unternehmen, die diesen Kulturwandel aktiv gestalten, profitieren doppelt – durch niedrigere Fehlzeiten und eine gestärkte Mitarbeiterbindung.


1. Rückkehrkultur beginnt nicht am ersten Arbeitstag

Die Rückkehr ins Unternehmen sollte nicht erst dann organisiert werden, wenn jemand wieder durch die Bürotür tritt. Bereits während der Abwesenheit entscheidet sich, wie wohl sich jemand später fühlen wird. Unternehmen sollten klare Kommunikationsregeln definieren: Wer darf wann Kontakt halten – und in welchem Ton? Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Zugehörigkeit. Auch Vorgesetzte müssen wissen, wie sie professionell, empathisch und rechtssicher mit längeren Ausfällen umgehen. Schulungen für Führungskräfte sind deshalb kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung.

2. Das Rückkehrgespräch – zwischen Vertrauen und Struktur

Das Rückkehrgespräch ist der Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Wiedereingliederung. Es braucht Struktur, aber vor allem Vertrauen. Wer hier nur Floskeln austauscht, vergibt Chancen: auf offene Kommunikation, auf das Erkennen tieferliegender Ursachen für Fehlzeiten und auf eine zukunftsgerichtete Zusammenarbeit.
Ein gutes Rückkehrgespräch klärt nicht nur, was war – sondern was kommen soll. Wichtige Fragen lauten:

  • Was hat die Abwesenheit ausgelöst – soweit freiwillig offenlegbar?

  • Welche Belastungsfaktoren können wir im Arbeitsumfeld minimieren?

  • Gibt es Unterstützungsangebote, die aktiv gemacht werden können?

Ein schriftlich dokumentierter Gesprächsleitfaden hilft, den Dialog auf Augenhöhe zu führen – ohne sich im Klein-Klein zu verlieren.

Zwei Personen im Gespräch am Tisch – typische Situation bei einem Rückkehrgespräch, begleitet durch den BEM Beauftragten


Fallstudie: Firma Kessler & Partner (150 MA, Maschinenbau, NRW)

Ausgangslage:
Steigende Langzeiterkrankungen, demotivierte Rückkehrer, hohe Personalfluktuation. Rückkehrgespräche wurden selten geführt, oft nur als Pflichttermin.

Maßnahme:
Ein internes Rückkehrkonzept wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat entwickelt. Alle Führungskräfte erhielten Schulungen zu Gesprächsführung, rechtlichen Grenzen und psychologischer Sensibilität. Eine interne „Vertrauensperson Rückkehr“ wurde benannt.

Konkrete Schritte:

  • Standardisierter Rückkehrleitfaden + individueller Anpassungsrahmen

  • Nachbereitungsgespräche sechs Wochen nach Rückkehr

  • Flexible Wiedereingliederung mit Mitgestaltungsmöglichkeit für die Rückkehrenden

  • Team-Briefings zur Entlastung der Kommunikation im Kollegenkreis

Ergebnis nach 12 Monaten:

  • Rückkehrquote nach Langzeiterkrankung stieg um 35 %

  • Positive Rückmeldungen in der anonymen MA-Befragung

  • Zwei weitere Standorte übernehmen das Konzept


3. Rückkehrkultur ist kein HR-Thema, sondern Führungsaufgabe

Ob eine Rückkehr gelingt, hängt maßgeblich vom Verhalten der direkten Führungskraft ab. Fachlich versierte Vorgesetzte sind nicht automatisch gute Rückkehrbegleiter. Hier braucht es Training: Kommunikation, Empathie, Rechtsverständnis und Belastbarkeit im Dialog. Unternehmen sollten Führungskräfte gezielt befähigen, psychologische Sicherheit zu geben – besonders, wenn es um sensible Themen wie psychische Erkrankungen, Überlastung oder Mobbing geht.
Ein weiterer Punkt: Die Haltung muss stimmen. Wer Rückkehrer*innen mit Skepsis oder Misstrauen begegnet, beschädigt nicht nur deren Motivation, sondern auch die Teamkultur.

4. Erfolg braucht Prozesse – und Raum für individuelle Lösungen

Eine gesunde Rückkehrkultur ist kein Zufallsprodukt. Sie beruht auf definierten Prozessen, klaren Verantwortlichkeiten und gleichzeitig dem Mut zur individuellen Lösung. Das heißt konkret:

  • Es gibt eine zentrale Ansprechperson für Rückkehrfälle (z. B. BEM-Beauftragter).

  • Die Rückkehr wird organisatorisch vorbereitet – vom Arbeitsplatz bis zu möglichen Stufenplänen.

  • Rückmeldungen der Rückkehrenden werden ernst genommen und in Verbesserungen übersetzt.

Unternehmen, die das strukturiert angehen, schaffen einen echten Wettbewerbsvorteil. Denn eine Kultur, in der Rückkehr möglich und willkommen ist, wirkt nach innen wie nach außen attraktiv.

Mann im Business-Outfit im Büro – symbolisiert die Rolle eines BEM Beauftragten im Wiedereingliederungsprozess

Haltung schlägt Regelwerk

Selbst perfekt organisierte Rückkehrprozesse scheitern, wenn die Haltung dahinter nicht stimmt. Rückkehr ist kein Sonderfall, der möglichst schnell abgearbeitet werden muss. Sie ist ein Prüfstein für die Unternehmenskultur. Wer unterschwellig Misstrauen oder Rechenschaft erwartet, demotiviert. Wer offen kommuniziert und Rückkehrende als Teil des Teams empfängt, schafft Vertrauen. Die innere Haltung zählt – nicht nur der Ablauf.

Signale setzen, nicht nur Verfahren

Wertschätzung zeigt sich in Sprache, Verhalten und kleinen Gesten. Ob Führungskraft, BEM Beauftragter oder HR: Wer Rückkehr ernst nimmt, lebt das auch sichtbar vor. Das beginnt bei der Einladung zum Gespräch, geht über das Tempo des Wiedereinstiegs und endet nicht beim Feedback-Gespräch. Rückkehr ist kein reiner Verwaltungsakt – sondern gelebte Fürsorge.

Checkliste: Schritt für Schritt zur gesunden Rückkehrkultur

🗹 Maßnahme
Klare interne Kommunikation bei längerer Abwesenheit festlegen – wer informiert, wann und wie?
Zuständigkeiten definieren – z. B. Benennung eines oder einer BEM-Beauftragten im Unternehmen
Führungskräfte schulen – Umgang mit Rückkehrgesprächen, psychologischer Sicherheit, rechtlichen Grenzen
Gesprächsleitfäden entwickeln, um Rückkehrgespräche strukturiert und wertschätzend zu führen
Vertraulichkeit sicherstellen – Gespräche nur mit Zustimmung und transparenter Kommunikation
Flexible Wiedereingliederung ermöglichen – z. B. Stufenmodelle, angepasste Arbeitszeiten oder Hybridlösungen
Arbeitsplatz vorbereiten – ergonomisch, technisch und organisatorisch (z. B. Info an das Team)
Feedback der Rückkehrenden aufnehmen und für interne Verbesserungen nutzen
Psychosoziale Belastungen aktiv ansprechen – etwa durch niedrigschwellige Gesprächsangebote
Rückkehrprozesse regelmäßig evaluieren – und Optimierungen transparent kommunizieren

Willkommenskultur statt Rückkehrpflicht

Gesunde Rückkehrkultur ist ein Gewinn für alle – sie senkt die Kosten durch Fehlzeiten, stärkt das Vertrauen in die Organisation und zeigt echte Wertschätzung. Wer Rückkehr als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur versteht, fördert nicht nur die Gesundheit Einzelner, sondern die Stabilität des gesamten Systems. Unternehmen, die das erkannt haben, sind klar im Vorteil – heute und in Zukunft.

Bildnachweis: Ekaterina, Katleho Seisa/peopleimages.com, Thurstan H/peopleimages.com / Adobe Stock